Kann-See: SGD setzt Renaturierung fort

Kann-See: SGD setzt Renaturierung fort

Firma verfüllt früheres Trockenauskiesungsgebiet - Fauna hat sich beruhigt

Vor zwei Jahren sorgte die Sperrung des Kann-Sees im Engerser Feld für große Proteste. Die Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord verteidigte das Vorgehen als Schutz des Trinkwassers. Die Bürgerinitiative "Engerser Feld" prangerte die Aktion als Umweltzerstörung an. Jetzt geht die Renaturierung an dem Baggersee in die nächste Runde.

NEUWIED. Wer am Westufer des Kann-Sees im Engerser Feld spazieren geht, der sieht sie noch, die Spuren einer Auseinandersetzung, die sich vor zwei Jahren um den beliebten Baggersee entfachte: Auf Schildern haben die Mitglieder der Bürgerinitiative "Naherholungsgebiet Engerser Feld/Kann-See" ihrem Unmut über die aus ihrer Sicht "unvergleichliche Umweltzerstörung" Luft gemacht.

Ende April 2005 hat die Firma Kann hier mit der von der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord geforderten Renaturierung des früheren Kiesabbaugebiets begonnen. Bäume und Sträucher mussten weichen, Schutt und große Aushublöcher versperrten Spaziergängern den Rundweg am See. Das Ziel: die Beruhigung von Flora und Fauna und vor allem der Schutz des im Engerser Feld offen liegenden Grundwassers - eine hochsensible Trinkwasserquelle für etwa 130 000 Menschen.

Jetzt rollen am Kann-See erneut die Bagger. Über einen mittlerweile befestigten Wirtschaftsweg zwischen Kann- und Silbersee transportieren Laster ab Anfang Mai etwa 60 000 Kubikmeter Erdaushub vom Rengsdorfer Umgehungsbauprojekt ins Engerser Feld. Ihr Ziel ist der Landkorridor zwischen Stein- und Kann-See, wo die Bendorfer Firma früher Trockenauskiesung betrieben hat. Heute sieht die Fläche, die etwa so groß ist wie ein Fußballfeld, wie eine Mondlandschaft aus.

Ende Mai sollen die Krater verschwunden, das Gelände nahezu nivelliert sein, stellt Helmut Grün, zuständiger Sachbearbeiter bei der SGD Nord in Montabaur, in Aussicht. Der Landkorridor hat laut Grün eine enorme Bedeutung für den Trinkwasserschutz. "Der Korridor ist ist eine wichtige Barriere, um die schnelle Verbreitung von Schadstoffen zu verzögern", erläutert der Experte.

Will heißen: Wenn beispielsweise ein Öltropfen in den Kann-See gelangt, dann fließt er je nach Rheinpegel - Fließgeschwindigkeit und -richtung des Grundwassers sind eng mit dem des Stroms verbunden - in Richtung der Brunnen im Engerser Feld, die nur wenige Hundert Meter von den Seen entfernt sind. Je mächtiger der Landkorridor ist, umso langsamer fließt das Grundwasser. Entsprechend größer ist auch die Filterwirkung, erklärt Grün.

Diese möchte die SGD Nord langfristig noch erhöhen, indem sie den Landkorridor der Natur zurückgibt - Anpflanzungen oder eine landwirtschaftliche Nutzung sind nicht geplant. "Wir wollen die Natur sich selbst überlassen", sagt Grün. Daher will die SGD den immer noch vorhandenen oberen Weg um den Kann-See an der südwestlichen Seite langfristig durch Bäume und Sträucher unterbrechen.

Mehrmals wirbt der Experte im Gespräch mit der RZ um das Verständnis der Bürger für die Renaturierung am Kann-See: "Die Menschen sollen hier ja nicht raus." Allerdings handele es sich um ein überaus sensibles Wasserschutzgebiet an einem privaten See. Sein Kollege Manfred Braun von der Landespflege bei der SGD in Koblenz sieht denn auch in einer Besucherlenkung den einzigen Weg, um hier Mensch und Natur in Einklang zu bringen. Geplant seien beispielsweise Beobachtungskanzeln, wie sie auch im Handlungs- und Nutzungskonzept der Stadt Neuwied vorgesehen sind (wir berichteten).

Von diesen Türmen könnten Besucher Zeugen einer "erfolgreichen Renaturierung" werden. So hat sich nach Beobachtung von Braun, der von September bis April auf ehrenamtlicher Basis die Vögel im Engerser Feld zählt, auf der Halbinsel im Kann-See mittlerweile der Schwarzmilan wieder angesiedelt. Vor der Renaturierung, als es noch eine Verbindung zu Insel gab, seien Bürger sogar mit dem Auto auf das kleine Eiland gefahren.

Auch das Ufer profitiere von der Verbannung der Menschen. In dieser früheren Tabuzone für Vögel hat Braun jetzt Schnatterenten und Graureiher gesichtet. Grün sieht sich denn auch auf dem richtigen Weg: Nicht ein badender Hund oder Bürger seien das Problem, sondern die "Summe von kleinen Einwirkungen". Der sei die SGD mit einer Summe von Gegenmaßnahmen begegnet. Ob dies ausreiche, werde die Zukunft zeigen. Christian Kunst


Rhein-Zeitung - Ausgabe Neuwied vom 07.04.2007, Seite 13.



90 000 Euro für "Engerser Feld"
Rekultivierung des Kann-See-Geländes geht weiter

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