Heckrinder sind Attraktion

Heckrinder sind Attraktion und Betreiben Landschaf

Quelle: Blick Aktuell – Neuwied KW25, Dienstag 19. Juni 2007

HECKRINDER SIND ATTRAKTION UND BETREIBEN LANDSCHAFTSPFLEGE

Stadt und Behörden informierten über Beweidungsprojekt im Engerser Feld

Engers. Auf völlig neue Weise und mit modernen Moderations- und Kommunikationsmethoden stellte die Stadt Neuwied die geplante Beweidung des Engerser Feld mit Heckrindern vor.
Ein professioneller Moderator übernahm die Leitung der Diskussionsrunde und vermittelte zwischen den beteiligten Interessensgruppen. Miteinander reden, statt aneinander vorbei diskutieren, war die Devise des ungewohnten Beteiligungs- und Dialogverfahrens. Bürgermeister Reiner Kilgen hatte das erste Wort. Schon die Begrüßung der rund ein Duzend Mitarbeiter aus verschiedenen Verwaltungen, Behörden und Ministerien versprach einen interessanten Abend.
Ihnen standen mindestens genau so viele unterschiedliche Interessensgruppen gegenüber. Landwirte waren ebenso vor Ort wie Vertreter von Natur- und Vogelschutzorganisationen, Erholungssuchende, Angler, Spaziergänger, Reiter und Hundebesitzer. Auch der Jagdpächter und die Vertreter der Fürstlich Wiedischen Verwaltung und der DLRG waren am Donnerstag in die Mehrzweckhalle des Heinnchs Haus nach Engers gekommen.
Reiner Kilgen führte in das Thema ein und erinnerte an das 2001 im Stadtrat verabschiedete Handlungskonzept Engerser Feld als Basis des Projektes.
Ziel ist es, die besonderen Schutzansprüche des Gebiets und die Interessen der Menschen in Einklang zubringen.
Elf Bürgerversammlungen habe es seitdem zum Thema gegeben. Von 2002 bis 2006 wurden umfangreiche Planungen und Studien durchgeführt. In diesem Jahr kam der Bewilligungsbescheid auf den Förderantrag. 91.000 Euro der Gesamtkosten des Beweidungsprojekts in Höhe von 157.000 Euro über nimmt das Land Rheinland-Pfalz. Nach Abzug von 25.000 Euro aus dem Topf der Stiftung für Natur und Umwelt verbleiben für die Stadt Neuwied 41.000 Euro. „Im doppelten Sinne günstig“, sagt Reiner Kilgen.
Die 30ha werden als Ausgleichsfläche für Neubaugebiete ausgewiesen. Dadurch profitierten auch die Häuslebauer. Denn würde die Stadt Ausgleichsfläche an anderer Stelle kaufen, müsste sie dafür wesentlich mehr Geld ausgeben. Das Areal an der Hafenstraße, gegenüber den Stadtwerken und inmitten des Europäischen Vogel- und Trinkwasserschutzgebiets gelegen, könne wegen den Auflagen ohnehin nur eingeschränkt genutzt werden. Jörg Steuler erläuterte die Details zum Projekt.
Im Herbst soll mit dem Bau des Geheges begonnen werden. Anfang nächsten Jahres könnten dann zehn Heckrinder einziehen. Der Bauamtsleiter machte deutlich, dass Besucher und interessierte ausgesprochen willkommen sind. Dafür sind sogar Aussichtsplattformen geplant, von denen aus die Tiere besser beobachtet werden können.
Nach Begrüßung und Einführung wurde es spannend. Den rund sechzig Zuhörern stand eine Expertenrunde aus Fachleuten von der Stadt- und Kreisverwaltung und von der Struktur- und Genehmigungsdirektion sowie Holger Schanz von der Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz (GNOR) zur Beantwortung der drängenden Fragen zur Verfügung.

Was geschieht, wenn ein Hund ins Gehege läuft, wollte eine Hundehalter wissen. „Den Heckrindern nichts. Für die Hunde wird es gefährlich“, warnte Reiner Schulz (Kreisverwaltung), nannte Beispiele für die außerordentlichen Kräfte der Tiere und riet dringend dazu, Hunde anzuleinen. Werner Neumann, dessen Hof gleich neben dem Heckrind Areal im Meerheck liegt, hat andere Beobachtungen gemacht. Zumindest bei größeren Hunden verhaften sich die Heckrinder eher zurückhaltend.
„Aber warum überhaupt Heckrinder? stellte der Heimbach-Weiser Landwirt die Frage, die allen auf der Seele brannte. Die Experten zählten eine ganze Reihe von Argumenten auf: Die Tiere seien anspruchslose Allesfresser und benötigen keine Zufütterung.
Verschiedene Pflanzen werden zu bestimmten Jahreszeiten gefressen und somit komme es nicht zum Abgrasen. Im Gegenteil. Die Heckrinder wirken als Landschaftsschützer und ermöglichen eine artenreiche Vegetation, die zum Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten wird. Außerdem benötigen die vom Auerochsen abstammenden Rinder, keine Pflege und selbst im Winter keinen Unterstand. Geburten könnten in Schnee und Eis geschehen.
Das wiederum rief eine besorgte Tierschützerin auf den Plan. „Das die Tiere pflegeleicht sind, bedeutet nicht, das sie sich selbst überlassen werden“, antwortete Reiner Schulz und versicherte, das die Herde unter regelmäßiger Beobachtung stehen wird. Genauso wie der Elektrozaun mit Stacheldraht, der ständig auf Schäden kontrolliert wird.
Das nicht mehr zur Verfügung stehenden Areal macht dem Jagdpächter in Bezug auf die Deich gefährdenden Kaninchen und Bisamratten und der DLRG als verloren gegangener Übungsraum, Sorgen. Es wird möglich sein, dass Gebiet zeitweise zu betreten, antwortete Reiner Schulz. Die Taucher der DLRG machen regelmäßig im See Lebensrettungsübungen.
Allerdings möchte die Stadt in Zukunft den See mit einzäunen um von vornherein das ohnehin verbotene Baden grundsätzlich zu verhindern.
Die Heckrinder werden auch dann weiterhin vom Oberflächenwasser ferngehalten.
Engers Ortsvorsteher Josef Kretzer forderte die Verantwortlichen dazu auf, bei ihren Plänen die bisher nicht eingebundene Denkmalschutzbehörde zu involvieren, weil sich das Areal mit einem schützenswerten Bodendenkmal über schneidet.

INSGESAMT POSITIVER RESONANZ – LANDWIRTE HADERTEN
Abgeschlossen wurde die Veranstaltung mit einer Gesprächsrunde, bei der Interessierte auf der Bühne neben Matthias Schneider aus dem Mainzer Umweltministerium, Hans-Ludwig Voigt (SGD), sowie Reiner Kilgen und dem Kreisbeigeordneten Dr. Jürgen Scheid, Platz nehmen und mitdiskutieren durften. Dieses Angebot nahmen vor allem die Landwirte an. Während insgesamt eine positive Resonanz beim Publi¬kum wahr genommen werden konn¬te, haderte diese Gruppe mit den Plänen.
Werner Neumann monierte, dass weder er, noch Kollegen und auch keine Verbände in die Planun-gen mit einbezogen wurden. Tho¬mas Hof vermutet früher oder später eine Ausweitung des Gebiets und befürchtet ein Verdrängen der Land¬wirtschaft. Er forderte genaue Beob¬achtung und Veröffentlichung der Nitratbelastung.
Die Behördenvertre¬ter sind hingegen der Ansicht, dass die Stickstoffbelastung des Bodens aufgrund der geringen Besatzdichte niedriger sein wird als bei gedüng¬ten Feldern. Hoffnung verbreitete Reiner Kilgen in Sachen Flächen. Rund 150 Eigentümer gibt es im Engerser Feld. Demnächst wolle die Stadt eine größere Fläche kaufen. Dann komme man auf die Landwirte zu.
Deutlich wurden die Behörden, warum keine der benachbarten Landwirtschaften mit der Betreuung beauftragt wurde. Man wolle nicht unnötig Geld für den Know-how Transfer ausgeben, während es ei¬nen Experten bereits gebe. – FF –

Blick Aktuell – Neuwied KW25, Dienstag 19. Juni 2007



Rekultivierung des Kann-See-Geländes geht weiter
Goldener Maitag am Silbersee

Druckbare Version

ęScheidweiler/Silbersee - Seit 1875 in Familienbesitz