Weiter Kiesausbeute trotz Schutzzone

Weiter Kiesausbeute trotz Schutzzone?

Rhein-Zeitung vom 09.02.1987

Lage im Engerser Feld

Weiter Kiesausbeute trotz Schutzzone?

Fachleute sehen keine Gefährdung des Trinkwassers

-hep- Wird im Engerser Feld weiterhin Kies ausgebeutet, obwohl dies aufgrund einer vorläufigen Rechtsverordnung der Bezirksregierung eigentlich verboten ist? Mit dieser Frage beschäftigen sich Wasserfachleute, Verwaltungen und Stadtratsfraktionen*
Die Gebiete um Steinsee, Kannsee und der Bereich zwischen Panzerstraße, Rhein und Klarwerk sind als Wasserschutzzone III A ausgewiesen. Untersagt sind in einer solchen Zone u.a. Kläranlagen, Vertriebsstellen für Heizöl oder Dieselöl, Mülldeponien und Erdaufschlüsse, durch die die Deckschichten wesentlich vermindert werden. Vor allem dann, wenn das Grundwasser ständig aufgedeckt ist und es keine ausreichende dauerhafte Sicherung zum Schutz des Trinkwassers gibt.
Nach dem Wassergutachten sind Stein- und Kannsee mit dem Grundwasser verbunden. Also dürfte dort kein Kies mehr ausgebeutet werden. Ferner müssten Klärwerk, Müllumladestation und einige Gewerbebetriebe dort verboten werden. Aber, was einmal da ist, hat Bestandsschutz. So ist es auch möglich, dass mitten durch die Schutzzone II - hier gelten noch strengere Maßstäbe - Eisenbahnlinie und die vierspurige B 256 führen, obwohl dies nach der Rechtsverordnung verboten ist.
Doch keine Regel ohne Ausnahmen. Die werden im Paragraphen vier geregelt und besagen, dass die Bezirksregierung sie zulassen kann, wenn keine Verunreinigung des Grundwassers oder Nachteile für die örtliche Trinkwasserversorgung zu befürchten sind. Ferner, wenn es das Wohl der Allgemeinheit erfordert oder das Verbot im Einzelfall zu einer unbilligen Härte führen würde.
Nach Ansicht von Oberbürgermeister Karl-Heinz Schmelzer dürften deshalb Kiesabbaufirmen für das städtische Gelände zwischen Panzerstraße und Rhein eine solche Ausnahmegenehmigung erhalten. Doch für die Ausbeute an Steinsee- und Kannsee ist bald das Ende gekommen. An
beiden Seen darf nur noch ein schmaler Streifen weg gebaggert werden. Dann ist Schluss und weitere Genehmigungen gibt es, so Oberbürgermeister Schmelzer, für diesen Bereich nicht mehr. Eine Chance für die Kiesgewinnung gibt es nach Schmelzers Ansicht noch für den Silbersee in Engers.
“Wir wollen das ganze Gebiet zwischen Panzerstraße und Rhein auskiesen lassen und erhalten dafür die Genehmigung," ist Schmelzer zuversichtlich. Seinen Optimismus begründet er damit, dass die Wassergutachter keine Bedenken für eine großflächige Auskiesung hätten.
Der Leiter der Abteilung Landwirtschaft und Umwelt bei der Koblenzer Bezirksregierung, Dieter Schulte Beckhausen, bestätigte, dass die Fachleute für die Auskiesung in einigen Bereichen keine Bedenken hätte: “Da aber alle Erkenntnisse noch nicht vorliegen, haben wir vorsorglich in der gesamten Schutzzone III A die Kiesausbeute verboten. Anträge werden im Einzelfall geprüft und könnten genehmigt werden. Doch bisher ist noch nichts entschieden".
“Wir sind für die Kiesausbeute, weil wir Geld brauchen," sagte der Vorsitzende der CDU- Stadtratsfraktion Joachim Faustmann, “und weil nach dem Gutachten von Professor Kistenmacher das Gebiet und der See im ehemaligen Hafenbecken Freizeitgelände werden sollen. Die CDU-Fraktion stimmt mit dem Oberbürgermeister völlig überein, dass wir das ehemalige Gelände für die Trabrennbahn rasch für die Kiesausbeute freigeben, damit die Firmen nicht in Schwierigkeiten kommen und 300 Arbeitsplätze gesichert sind. Mit dem neuen Freizeitgelände schützen wir auch den Steinsee, der für das Trinkwasserreservoir äußerst wichtig ist."
SPD-Fraktionsvorsitzender Manfred Scherrer wollte zu dieser Sache noch nichts sagen: “Wir werden erst nach der Bürgerversammlung der Stadt am 11. Februar zum Thema Wassergutachten unsere Entscheidung treffen."



Wasserwirtschaftsplan von Werner Scheidweiler
Wird der Kiesabbau im Engerser Feld gestoppt?

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