Rhein ist größter Trinkwasserlieferant

Rhein ist größter Trinkwasserlieferant

Bericht aus der Rhein-Zeitung vom 27. Dezember 1990

Nur unter Gesichtspunkt des Umweltschutzes diskutieren ?

Rhein ist größter Trinkwasserlieferant

Wolfgang Stümper (CDU) zum Engerser Feld: Wirtschaftlichen Nutzen nicht ausschließen
Die Diskussion, was zur Sicherung der Trinkwassergewinnung im Engerser Feld zu geschehen hat, ist unter dem Gesichtspunkt des Umweltschutzes voll entbrannt. Es geht um die Freihaltung des Trinkwassers von Umweltbelastungen durch bäuerliche und gewerbliche Wirtschaft, es geht ferner um die angekündigte Untersagung bereits genehmigter Kiesausbeute im Wasserschutzgebiet und es geht — nach Auffassung von Wolfgang Stümper (Leubsdorf), Wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU-Kreistagsfraktion — möglicherweise um mehr.
Durch den Schutz des Engerser Feldes für die Trinkwassergewinnung sind der Stadt Neuwied und damit dem rechtsrheinischen Wirtschaftsraum nicht nur wertvolle Gewerbeflächen entzogen worden, sondern auch die Möglichkeit des Zugriffs auf Bodenschätze (hochwertige Kiese und Sande) im Werte von mehreren hundert Millionen Mark.
Bei der Einrichtung des Kreiswasserwerkes ging man davon aus, das Engerser Feld stelle das größte Trinkwasserreservoir zwischen Köln und Mainz dar. Dieser Reservoir werde von Grundwasserströmen gespeist, die vom Westerwald her zuflössen. Diese Annahme, die schon seit jeher strittig war, ist heute — insbesondere durch das Niedermeyer-Gutachten —widerlegt, sagt Wolfgang Stümper.
Die Wassermassen, die durch das Engerser Feld ziehen, würden vielmehr zum allergrößten Teil aus dem Rhein stammen. Stümper: “Das Engerser Feld ist — entgegen früheren Darstellungen — ein unterirdischer Nebenarm des Flusses. Wir trinken kiesgefiltertes und aufbereitetes Rheinwasser."
Stadt und Kreis Neuwied müssten also, zusammen mit den Verordnungsgebern des Landes, noch einmal darüber nachdenken, ob es weiterhin vertretbar erscheint, das riesige und reiche Engerser Feld wirtschaftlich brach liegen zu lassen, um Rheinwasser auf Trinkwasserqualität hochzufiltern. Denn das könne auch, wie am Niederrhein, auf andere Weise ebenso gut geschehen.
Der Christdemokrat meint dann weiter: “Stadtwerke und Kreiswasserwerk müssten dann allerdings in Schnellfilter-Anlagen und sonstige Aufbereitungsanlagen investieren, um den natürlichen Filter im Engerser Feld zu ersetzen. Solche Investitionen könnten lohnend sein. weil im Engerser Feld, man muss es noch einmal wiederholen, Rheinwasser, also abgeleitetes Oberflächenwasser, nicht aber unersetzliches, originär wertvolles Grundwasser geschützt wird."
Im Interesse von Stadt und Landkreis, also im Interesse unserer Wirtschaftsstruktur, müsse darüber noch einmal nachgedacht werden, fordert Wolfgang Stümper. In diesen Denkprozess seien die Stadtwerke selbstverständlich einzubeziehen. Hier sei umfassende fachübergreifende Kompetenz gefordert. Auf sie könnte nur verzichtet werden, wenn die gewaltigen wirtschaftlichen Nachteile des brachliegenden Engerser Feldes wegen überregionaler Interessen vom Landesfiskus gegenüber der Stadt und den entschädigungslos enteigneten Eigentümern und Betrieben ausgeglichen werden.
Stümper: “Von einer solchen Möglichkeit hat man aber noch nichts gehört. Denn zum einen ist an eine überregionale Trinkwasserversorgung aus den Brunnen im Engerser Feld nicht zu denken. Und zweitens ist nicht das Engerser Feld das größte Trinkwasserreservoir zwischen Köln und Mainz, sondern der Rhein."



Rennverein hofft auf den Baubeginn im nächsten Jah
Rhein könnte in Seen Strömen

Druckbare Version

ęScheidweiler/Silbersee - Seit 1875 in Familienbesitz