Nicht gerade Bürgemähe

Nicht gerade Bürgemähe

RZ vom 6/7. August „Collet: Schildbürgerstreich" und 16. August „Schmelzer: Nach allen Seiten grüßen".


Die Engerser Stadtratsmitglieder Adelfang, Keßler (CDU), Zils (SPD) und Kaulartz (FDP) hatten zu Beginn der Ferienzeit ein intensives Gespräch mit dem Engerser Kiesabbauer Werner Scheidweiler zu den o. a. Problemen.

Es ging u. a. um die Frage, ob die Nachteile in bezug auf Industrieansiedlung und Arbeitsplätze für die Stadt Neuwied durch die großen Wasserschutzzonen nicht durch eine neue Konzeption aufgehoben oder doch kompensiert werden könnten. Wir diskutierten die These, ob die durch Beendigung des Kiesabbaus und fehlende Industrie auch fehlenden Arbeitsplätze nicht durch die Schaffung eines großen Naherholungsgebietes neu geschaffen werden könnten. Wenn schon trotz Verbots die Seenplatte im Engerser Feld von Tausenden genutzt wird, wieviel mehr Bürger würden von diesem Freizeitangebot Gebrauch machen, wenn ein Naherholungsgebiet unter der Priorität Wasserschutz mit Wassersport, Badestränden und hygienischen Einrichtungen geschaffen würde.

Bei einer Verlegung des Kreiswasserwerks ins Dreieck Block/Heimbach/Gladbach würde bei höheren Deckschichten und gleicher Menge Wasser die Wassergewinnung vielleicht noch besser möglich sein.

Daß der jetzige Standort so nahe zum Rhein - Problem Uferfiltrat - und zum Kernkraftwerk nicht gerade der günstigste ist, wird von Fachleuten nicht nur hinter vorgehaltener Hand erzählt. Man stelle sich nur vor, ein Öltransporter verunglückt auf der alten B 42 im Wasserschutzgebiet!

Weitere Wasserbohrungen könnten weiter nördlich stattfinden, die vorhandenen Pumpen könnten weiter genutzt werden. Die durch die Verlegung entstehenden Kosten könnten u. U. durch Umlage auf die Tonne Kies durch die beteiligten Firmen mitgetragen werden.

Diese Gedanken wurden bisher durch die Industrie- und Handelskammer Neuwied,
die Untere Wasserschutzbehörde bei der Kreisverwaltung, Oberbürgermeister
Schmelzer, die beteiligten Kiesfirmen, durchaus interessiert aufgenommen. Sicher werden manche Gedanken und Pläne undurchführbar sein, doch sollte offenes Denken in allen Richtungen erlaubt sein.

Mir erschienen die Vorstellungen und Pläne des Herrn Scheidweiler wohlüberlegt, und ich würde sie nicht von vornherein als „Schildbürgerstreich" abqualifizieren, was die Verlegung des Kreiswasserwerks betrifft, wie es Robert Collet leider getan hat. Die Äußerung von Herrn Collet bezeugt nicht gerade Bürgernähe.

Werner Johann Keßler, Engers, Mitglied des Stadtrates (CDU)


Rhein-Zeitung, 26.08.1983



Collet: Ein Schildbürgerstreich
Trinkwasser schützen und weiter Kies abbauen

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