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Wieder Ärger im Paradies

Wieder Ärger im Paradies

Silbersee: Keine Kulturtage in Wasserschutzzone

Im Engerser Feld versteckt sich ein besonderer Ort: der Silbersee. Werner Scheidweiler hat sich hier seinen Traum von einem Naturgarten verwirklicht. Da die ehemalige Kiesgrube in einer Wasserschutzzone liegt, gibt es immer wieder Ärger im Paradies.

NEUWIED. Kunst- und Kulturtage sollten am 5. und 6. September am "Silbersee" im Engerser Feld stattfinden. Daraus wird nichts. Dass die Absolventen eines Malkurses der VHS Koblenz das private Gelände der ehemaligen Kiesgrube inspirierend finden und eine Ausstellung anregten, interessiert die Kreisverwaltung Neuwied wenig. Sie fühlt sich dem Vollzug der Wassergesetze und der Rechtsverordnung über das Wasserschutzgebiet verpflichtet, in dem das Areal liegt und kommt zu dem Schluss, dass die Veranstaltung damit nicht vereinbar ist. Eine klare Warnung unter Androhung von Bußgeldern bis zu 50.000 Euro [885 KB] .

Abbildung: Werner Scheidweiler - Foto: Beate Au -

Der Schatzhüter vom Silbersee würde das Idyll gerne mit anderen teilen: Kinder sind fasziniert von dem Krokodil, das Werner Scheidweiler aus einem Stamm geschnitzt hat.

Werner Scheidweiler hat die Idee zu den Akten gelegt. Die Tatsache, dass das Areal in der Schutzzone III A liegt, hat ihm in den vergangenen Jahren schon genug Ärger mit den Behörden beschert und in seinem Elan gebremst, eine ehemalige Kiesgrube in ein Naherholungsgebiet zu verwandeln, bei dem Mensch und Natur nach seinen Vorstellungen auf ihre Kosten kommen sollen. Seit 125 Jahren ist das Gelände am Silbersee in Familienbesitz. Bis 1989 diente es dem Kiesabbau.

Nun hütet Scheidweiler als familiäres Erbe ein "Naturparadies" mit einer besonderen Vision. Getreu dem Motto seines Vaters Ferdinand Scheidweiler will er "der Natur etwas zurückgeben, was man ihr genommen hat". Doch die Fantasie, die er und seine Familie dabei entwickeln, steht unter behördlicher Beobachtung. Vor allem bauliche Aktivitäten sind seit 2001 per einstweiliger Verfügung tabu. Baustopp also für weitere Träume aus Stein, wie er sie mit Iglu samt Höhlenmalerei oder Burg mit Artusrunde bereits verwirklicht hat.

Dass der verborgene wild-romantische Märchengarten mit seinen Rückzugsmöglichkeiten und philosophischen Wegweisern nicht nur Kindergartenkinder fasziniert, registriert Scheidweiler mit Zufriedenheit. Es gibt inzwischen ein Gästebuch, dessen Einträge davon erzählen, was Menschen aus dieser verwunschenen Welt an Trost, Ruhe und Gelassenheit mitnehmen. Der Angelsportverein Bendorf ist inzwischen mit Begeisterung als Pächter am "Silbersee" zu Hause. Dessen Vorsitzender Peter Speier regt sich ebenfalls über die Vorschriften auf, die das Freizeitvergnügen am "Silbersee" stark einschränken. "Lagern verboten!" Wie dies zu interpretieren ist, daran lässt die Kreisverwaltung keine Zweifel aufkommen: "Ein längerer Aufenthalt ist in der Regel mit einem Lagern verbunden, wenn nämlich auch ein längeres Verweilen oder Niederlassen dabei stattfindet."

Um die magische Anziehungskraft, die trotz aller Verbote vom "Silbersee" ausgeht, in geordnete Bahnen zu lenken und um Konflikten vorzubeugen, haben die Scheidweilers das Gebiet inzwischen eingezäunt. Es gibt einen Verein der Freunde vom Silbersee, die darauf achten, dass die Regeln von den Besuchern eingehalten werden. Werner Scheidweiler selbst führt sie gerne zu den besonderen Ecken des "Dschungels", der die etwas andere Rekultivierung einer ehemaligen Kiesgrube widerspiegelt. "Vogelarten wie Kuckuck, Nachtigall, Reiher oder Pirol sind hier zu finden", erzählt Scheidweiler stolz, dem zu einem abgebrochenen Ast schnell ein Motiv zum Schnitzen einfällt. Von einem der Wege aus führt beispielsweise eine geheimnisvolle "Vater-unser-Treppe" ins Dickicht. Warum sie so heißt? Es sind die alten Altarsteine aus der katholischen Kirche St. Martin in Engers.

Ob Vierseen- oder Sacre-Coeur-Blick - der Schatzhüter vom Silbersee hat nicht nur die schönsten Aussichtsplätze getauft, er weiß auch zu jeder Überraschung am Wegesrand etwas zu erzählen. Der Flora und Fauna am Silbersee hat er jedenfalls seinen von vielen bewunderten, aber von Neuwieds Ämtern nur schwer zu akzeptierenden Stempel aufgedrückt. Beate Au

RZ Neuwied vom Samstag, 25. Juli 2009, Seite 21.

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