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E.ons Infotrips für Politiker:

Im Privatjet zum Feiern nach Norwegen

Ein Ölsardinen-Einpack-Wettbewerb, eine vergnügliche Motorbootfahrt und jede Menge Bier - so sah das Programm einer von E.on gezahlten Informationsreise für Vertreter der Stadt Neuwied nach Norwegen aus. Das zeigen Videoaufnahmen, die SPIEGEL TV vorliegen.

Hamburg - Nachmittags um vier Uhr gibt es die ersten Aquavits, wenig später ist die Stimmung an Bord ausgelassen. Ein Mann steht rauchend an der Reling, zur Sicherheit hat er gleich zwei Bierflaschen auf einmal in der Hand. Ein anderer übt am Bug die berühmte Szene aus Titanic ("Ich bin der König der Welt") - weit breitet er seine Arme aus und lässt sich den norwegischen Wind ins Gesicht blasen.

Niemand würde auf die Idee kommen, dass der spaßige Bootsausflug irgendetwas mit deutscher Energieversorgung zu tun haben könnte. Doch er ist offiziell Teil einer Informationsreise nach Norwegen, die der Energieriese E.on für etwa 25 Vertreter der Stadt Neuwied in Rheinland-Pfalz gesponsert hat. Das Video des Ausflugs, das SPIEGEL TV vorliegt und in der Sendung am kommenden Sonntag gezeigt wird, lässt allerdings erheblichen Zweifel am Informationscharakter des Kurztrips aufkommen.

Zu sehen sind Aufsichtsratsmitglieder der Stadtwerke sowie der Bürgermeister beim geselligen Zusammensein in Restaurants und Bars, bei einem Ölsardinen-Einpack-Wettbewerb oder genüsslich beim Zigarrerauchen. Gestartet wurde der dreitätige Ausflug nicht etwa per Linienflug, sondern im Learjet ab Düsseldorf. Der Zeitplan der Reise zeigt, dass auf der ganzen Tour nur zwei offizielle Programmpunkte vorgesehen waren: der Besuch einer Bohrinsel und der eines Gasmuseums.



E.on verschenkte auch Flug-Meilen

Insgesamt soll E.on Aufsichtsräten und Mitarbeitern von 28 kommunalen Versorgern in Nordrhein-Westfalen die unterschiedlichsten Reisen bezahlt haben, um sie für Lieferverträge zu den Konditionen der E.on gewogen zu stimmen. Offiziell wurden solche Ausflüge stets als Informationsbesuche deklariert. Die Staatsanwaltschaft Köln ermittelt jedoch wegen des Verdachts auf Vorteilsgewährung und Vorteilsannahme gegen insgesamt 159 Politiker und mehrere E.on-Mitarbeiter, die jeweils mit bis zu drei Jahren Haft oder einer Geldstrafe bestraft werden könnten.

Auch gegen die Politiker aus Neuwied ermittelt die Behörde. Nach deren Ansicht ist das Ganze jedoch ein großes Missverständnis - schließlich habe es sich bei der Veranstaltung um eine intensive und arbeitsreiche Tagungsreise gehandelt. "Von Entspannung oder Lustreise ist da nicht zu reden", erklärte der Bürgermeister von Neuwied. Die Bürgermeisterin aus Bad Honnef hatte für ihre Kommune allerdings eine ähnliche, von E.on angebotene Reise abgelehnt. Der Informationsgehalt der Reise hätte in keinem Verhältnis zum Aufwand gestanden, so die Bürgermeisterin.

Der Energiekonzern selbst hat derlei Veranstaltungen inzwischen eingestellt und außerdem einen neuen Verhaltenskodex angekündigt, ohne freilich irgendeine Schuld einzugestehen.

Die inzwischen getroffenen Maßnahmen können nichts daran ändern, dass über das Gebaren des Konzerns in der Vergangenheit ständig neue pikante Details bekannt werden. So wurde am Wochenende berichtet, dass E.on Politikern nicht nur Ausflüge nach Spanien oder Norwegen bezahlte. Der Energie-Versorger kaufte außerdem in großem Stil Meilen aus dem Vielfliegerprogramm Miles&More von der Lufthansa und reichte diese an seine Kunden weiter. In diesem Zusammenhang war auch schon das beschauliche Neuwied in die Schlagzeilen geraten - allein an die Stadtwerke dort gingen 2004 Bonusmeilen im Gegenwert von 26.000 Euro. Eine E.on-Sprecherin bezeichnete dies als ganz normales "Marketing-Instrument".




Quelle: Spiegel.de

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