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Silbersee auf Abriss-Liste ganz oben

Silbersee auf Abriss-Liste ganz oben

Rhein-Zeitung, 06.08.2001

Ende der "Annaruh" naht

Stadt will gegen 200 illegale "Hütten" vorgehen: Bauten am Silbersee auf Abriss- Liste ganz oben

Fast poetische Namen hat Werner Scheidweiler seinen großen und kleinen Skulpturen rund um den Silbersee im Engerser Feld gegeben. Nun will die Stadt, dass der ehemalige Kiesgrubenbesitzer "Annaruh" und "Simonsburg", "Vater- unser- Treppchen" und "Klein Athen" dem Erdboden gleichmacht.

Von Silke Schmid

NEUWIED. Naherholung kontra Wasserschutz - im Engerser Feld prallen entgegengesetzte Interessen nicht erst seit den Kontrollen am Stein- und Hafensee in der vorigen Woche aufeinander. Werner Scheidweiler, Besitzer des Silbersees, und die Stadt Neuwied liegen seit Jahren im Clinch.
Scheidweiler musste nach eigenen Angaben vor etwa zehn Jahren auf Geheiß der Behörden seine Kiesgrube hinter der Firma Kann dicht machen - Wasserschutz. Seither baut der Natur- und Kunstfreund das Areal zu einem rustikalen Skulpturengarten aus. Ein Iglu ist entstanden, diverse Sitzbänke, Tische, eine Grillhütte. Zwei Aussichtsplätze, "Annaruh" und "Ferdinandshöhe", hat er seinen Eltern gewidmet. Schulklassen und Kindergartengruppen gefällt es am Silbersee genau so wie einem Schwanenpaar, Reihern, Schildkröten, den seltenen Pirolen und anderem Getier.
Die Stadt Neuwied allerdings hat so ihre Probleme mit dem "privaten Natur- und Freizeitpark", wie Scheidweiler die Anlage nennt. Die scheidweilerschen Bauten gehören zu rund 200 "illegalen Objekten im Außenbereich", gegen die die Stadt vorgehen will. Scheidweilers Konstruktionen stehen wie 50 andere auf der Prioritätenliste ganz oben, weil das Gebiet auf der Wasserschutzskala in die Klasse IIIa eingeteilt wurde: "besonders schützenswert", erklärt Bürgermeister Reiner Kilgen im RZ-Gespräch. "Und da sollen nun mal keine Besucher in hellen Scharen durchwandern".
Bemerkung: (Soweit ein Zitat von Bürgermeister Kilgen. Doch was ist mit seiner eigenen Schar von Besuchern?)
Außerdem ist es grundsätzlich verboten, im "Außenbereich", das sind alle Gebiete außerhalb von geschlossenen Orten, zu bauen. Diese Tatsache war Werner Scheidweiler auch bekannt, als vor gut 25 Jahren der Angelverein sein Häuschen auf seinem Grundstück baute. "Dass ich meine Skulpturen nicht hätte aufstellen dürfen, wusste ich nicht", verteidigt er sich. Im Gegenteil, jahre-, jahrzehntelang hätten ihn Vertreter der Stadt zum Weiterbau ermutigt.
Jetzt wundert sich der Hobbykünstler, warum die Stadt nun plötzlich auf die Einhaltung der Gesetze pocht. Nach einem Vorgespräch mit Oberbürgermeister Nikolaus Roth und Bürgermeister Reiner Kilgen hat Scheidweiler an verschiedenen Orten seines Grundstücks Unterschriften- Listen zum Erhalt der Kunst am Silbersee ausgelegt.
Die Argumente, die dafür sprechen, können Schweidweiler und die anderen Besitzer der Schwarzbauten in einer Anhörung bei der Stadt geltend machen. Erst danach muss Scheidweiler mit einer Abbruch- Verfügung rechnen. Anschließend hätte er drei Jahre Zeit, den Iglu, "Simonsburg" und "Rolandsbogen" dem Erdboden gleichzumachen. Allein die ehemalige Kiesgrube, der Silbersee mit seinen Teichrosen, darf bleiben.

Kleine Sitzecken hat Werner Scheidweiler rund um dem Silbersee im Engerser Feld gestaltet. Nun will die Stadt, dass er alle Bauten verschwinden lässt.

Foto: Thomas Hof
 

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