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Trinkwasser nach wie vor bedroht

Trinkwasser nach wie vor bedroht

NR-Rundschau/Lokalanzeiger,27.04.1989

Trinkwasser nach wie vor bedroht

Engerser Bürger: Schutzmaßnahmen genügen nicht

NEUWIED/ENGERS. Trinkwasserschutz, insbesondere in Verbindung mit Hochwasserscbutz ist für Engerser Bürger schon immer ein Thema gewesen. Und gerade in den letzten Jahren, wo die Anzahl sowie die Mächtigkeit der Hochwasser stetig zugenommen hat, sind viele um so besorgter. Gerade im so genannten “Engerser Feld", Neuwieds Trinkwasserreservoir, ist besondere Sensibilität vonnöten, denn die Nähe des Rheins mit dessen mitunter gravierenden Schadstoffwerten stellt ständiges Gefährdungspotential für die Trinkwassergewinnung dar.
Der Engerser Arbeitskreis Umwelt, dem das CDU-Stadtratsmitglied Werner Johann Keßler vorsteht, hat sich jetzt erneut an die Stadtverwaltung gewandt, mit der Bitte, die Situation der Trinkwassergefährdung bei Hochwasser zu beurteilen und gegebenenfalls Schutzmaßnahmen einzuleiten. In dem Schreiben an Oberbürgermeister Schmelzer heißt es unter anderem: “Nach unseren Recherchen ist bereits 1983 durch einen Dammbruch Wasser in den Scheidweilersee gelaufen, welches darüber hinaus auch den relativ schwachen Damm zwischen Scheidweilersee und Kannsee teilweise wegschwemmte. Hier wurde dann unmittelbar durch aufgeschütteten Boden der Damm verbreitert. Unsere Nachforschungen und Informationen durch “Insider" haben nun ergeben, dass zwischen Scheidweilersee und Rhein eine alte zugeschüttete Kiesgrube der früheren Firma Ernst liegt. Diese wurde mit großen Trümmerstücken des Engerser Kolpinghauses und eines abgerissenen Bauernhofes verfüllt und mit Mutterböden bedeckt. Heute wird dieses Feld bestellt.
Beobachtungen haben nun ergeben, dass sich auf dieser alten Kiesgrube bei Hochwasser ein Trichter (Kreisel) von Wasser bildet, welches dann in den nur aufgeschütteten Boden eindringt und im Untergrund in der “Trümmerlandschaft" sich seinen Weg in den Scheidweilersee bahnt. Dort tritt an zwei Stellen (die man sehen kann) das Rheinwasser in etwa l qm großen Löchern in den Scheidweilersee ein. Die Gefahr besteht, dass der Scheidweilersee ganz mit Rheinwasser gefüllt wird, der Damm zum Kannsee durchbrochen und dann Kannsee und Steinsee und somit das ganze Hinterland überflutet wird: Die Folgen für das Trinkwasser wären gravierend, abgesehen von der Bedrohung Neuwieder Bürger durch das Hochwasser."
Dies sei dem Arbeitskreis auch so vom Planungsbüro bestätigt worden, sagte Keßler gegenüber der Neuwieder Rundschau.
Zum Schutz des Trinkwassers und der Bürger ist es nach Ansicht des Arbeitskreises notwendig, die vorhandenen Barrieren zu erhöhen und zu verstärken. Insbesondere müsse um die auf geschüttete frühere Kiesgrube ein Damm gebaut werden, der verhindert, dass Rheinwasser auf dieses Gelände fließen kann.
Oberbürgermeister Karl-Heinz Schmelzer hat inzwischen reagiert: er kündigte ein Gespräch mit den beteiligten Behörden an.
Text zu den Bildern, die hier fehlen:
1.) Der aus Erdboden aufgeschüttete Damm, der den Silbersee vom Kannsee trennt, ist viel zu steil. Bei einem Vollaufen des Silbersees mit Rheinwasser droht dieser Damm zu brechen und den Kannsee und Steinsee mit Rheinwasser zu verschmutzen. Da die Seen zum Trinkwasserschutzgebiet zählen, käme es zu Schäden in Millionenhöhe.
2.) Durch einen Acker sickert das Hochwasser und unterspült den mit Bauschutt aufgeschütteten Boden. Dadurch kann sich das Wasser durch den einfachen Damm graben. Aus diesen Löchern schoss im Mai 1983 das Rheinwasser In den Silbersee.

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