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Engerser Feld: Problem wird nur verschoben

Engerser Feld: Problem wird nur verschoben

Bericht aus der Rhein-Zeitung vom 3./4. Septemper 1983

Engerser Feld: Problem wird nur verschoben

Bürgermeister Borgdorf zur Verlegung des Kreiswasserwerkes

KF. Durch eine Verlegung des Kreiswasserwerkes ist der Interessenkonflikt zwischen Kiesabbau einerseits und Trinkwasserschutz andererseits im Bereich des Engerser Feldes nicht zu lösen. Diese Meinung vertrat Neuwieds Bürgermeister Rudolf Borgdorf in einem RZ-Gespräch.
Eine Verlegung des Wasserwerks, meinte der Bürgermeister, sie viel zu teuer. Außer­dem würde das Problem nur „räumlich und zeitlich verschoben". Zwar könnte dann möglicherweise im Engerser Feld weiter ausgekiest werden, doch es entstünden naturgemäß neue Wasserschutzonen, deren Größe niemand abschätzen könne. Dies wiederum könne neue Schwierigkeiten mit sich bringen, möglicherweise sogar für vorhandene Gewerbebetriebe.
Ohne die gewichtigen Interessen der kiesabbauenden Unternehmen im Engerser Feld zu übersehen, sagte Borgdorf, sei vorbeugender Umweltschutz für das Trink­wasser einer ganzen Region doch höher zu bewerten. Man müsse sich nun einmal mit der Tatsache abfinden, daß nicht alle nutzbaren Bodenvorkommen ohne weiteres ausgebeutet werden könnten. „Die zu se­hen", so Borgdorf, „ist verpflichtende Zu­kunftsplanung."
Innerhalb eines Jahres, erklärte der Bürgermeister weiter, werde sich der Stadt­rat wohl entscheiden, ob die Interessen der kiesabbauenden Firmen mit denen des Wasserschutzes in Einklang zu bringen seien. Sicherlich warte man vor einer endgültigen Entscheidung das Gutachten ab, das kürzlich von den Stadtwerken zu diesem Thema in Auftrag gegeben wurde. Die Stadt Neuwied, betonte Borgdorf, sei durch die Situation im Engerser Feld schwer benachteiligt. Sie müsse einen Ausgleich dafür erhalten, daß sie einen ganzen Raum mit Trinkwasser versorge. Nur schrittweise lasse sich das Engerser Feld zu einem Sport- und Freizeitgelände machen. Nach dem Scheitern der Trab- und Galopprennbahn fehle der Stadt für größere Projekte das Geld. Sie sei weitgehend auf Privatinitiativen angewiesen. Tröstlich im­merhin, daß Investitionen im Freizeitbe­reich heute einen ähnlichen Stellenwert besäßen, wie die in Industrieansiedlungen.
Die Verlegung des Kreiswasserwerkes hatte der Engerser Kiesunternehmer Scheidweiler in die Diskussion eingebracht. Während SPD-Fraktionsvorsitzender Collet diese Vorstellung als „Schildbürgerstreich" bezeichnete, hatte OB Schmelzer die Idee durchaus diskussionswürdig genannt.
• Am kurzen Draht
Technischer Direktor Roger Peters, Stadtwerke



Weniger Wasser





Trinkwasserreservoire Engerser Feld: Links die Auskiesungsanlagen, rechts die Freifläche, auf der einmal die Trab- und Galopprennbahn entstehen sollte. Der auf unserem Foto einmontierte Container mit Hinweisschild wurde inzwischen stillschweigend entfernt. Ein letzter Hinweis darauf, daß sich die Pferdesportfreunde im Raum Neuwied keine Illusionen mehr machen dürfen... Foto: Heepenstnck
RZ: Der Engerser Unternehmer Scheid­weiler, Herr Peters, hat vorgeschlagen, das Kreiswasserwerk zu verlegen. Damit sollen sowohl der Wasserschutz im Be­reich des Engerser Feldes gewährleistet, als auch die Interessen der Kiesindustrie garantiert werden. Ist dies ein realisti­scher Vorschlag?
Peters: Zunächst muß man feststellen, daß die heute vorhandenen Brunnen sehr sinnvoll entlang eines ehemaligen Rhein­arms angeordnet sind. Somit besitzen wir quantitativ und qualitativ gute Förde­rungsmöglichkeiten. Der Abstand zum heutigen Flußbett des Rheins ist vernünf­tig, weil eine dazwischenliegende dicke Kiesschicht für eine natürliche Reinigung sorgt. Wir müssen unser Wasser weder filtern noch chloren. Die Situation kann sich entscheidend verschlechtern, wenn im Engerser Feld weiter ausgekiest wird und große Wasserflächen entstehen.
RZ: Aber diese Seen haben doch auch den positiven Effekt, daß mehr Sauerstoff ins Gnmdwasser gelangt?
Peters: Das ist richtig. Andererseits dringt auf diesem Weg auch viel Schmutz ins Grundwasser. Und dies um so mehr, je größer die Flächen der Kies-Seen sind.
RZ: Wie sähe es denn aus, wenn man die Tiefbrunnen weiter in Richtung Norden verlagerte?
Peters: Wir wissen durch Peilbohrun­gen, daß es dort durch die Hanglage weitaus weniger Wasser gibt als im Engerser Feld. Diese Menge würde vor­aussichtlich für Stadt und Kreis nicht ausreichen. Die Belastung für das Trink­wasser wäre durch die Landwirtschaft in diesem Raum sogar noch größer als im Engerser Feld. Außerdem würden die Trinkwasserbrunnen durch eine Verle­gung noch näher an die vorhandene Besiedlung herangebracht, was doch auch wenig sinnvoll ist.
RZ: Nun wäre ja auch das Verlegen der Brunnen nicht ganz billig. Was schätzen Sie?
Peters: Es sind einmal 10 Millionen genannt worden. Ich halte das für eine denkbare Größenordnung. Aber meine Einwände sind, wie Sie gemerkt haben, nicht in erster Linie finanzieller, sondern technischer Natur.
RZ: Wenn das Wasserwerk an der bisherigen Stelle bleibt, wann rechnen Sie mit einer Entscheidung über die Kiesge­winnung?
Peters: Unser Gutachten über die Wassersituation im Engerser Feld, für das übrigens das Landesamt für Wasserwirt­schaft in Mainz die Federführung über­nommen hat, wird etwa ein bis eineinhalb Jahre Zeit beanspruchen. In diesem Zeitraum gibt es keine neuen Auskie-sungsgenehmigungen.
RZ: Und dann?
Peters: Nach neueren Erfahrungen stehen die Fachbehörden der Kiesausbeu­te in Wassergewinnungsgebieten sehr skeptisch gegenüber. Das dürfte sich im Engerser Feld auswirken. KF.



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